Interview mit Jonathan Ott auf der Buchmesse Frankfurt am Main 2005, Transkription

pharmacognosis

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Martin im Gespräch mit Jonathan Ott auf der Buchmesse Frankfurt 2005

Martin: Hallo, ich bin Martin, wir sind hier für PSI-TV und wir haben bei uns Jonathan Ott. Er ist Chemiker, er ist sehr bekannt in der Ethnobotanischen Szene. Stell dich doch kurz vor.

Ott: Guten Tag, Abend.

Martin: Was ist dein Spezialgebiet?

Ott: Ich habe Naturstoffchemie gelernt in der Schule, aber ich bin Ethnobotaniker, oder besser gesagt Ethnopharmacognosie ist mein Gebiet. Pharmacognosie ist die Spezialietät für die Preparation, die Vorbereitung von den Drogen. Das kann auch mit zu tun haben mit Kultivation, mit Extraktion, zum Beispiel bei dem Ayahuascagebräu.

Martin: Du hast da ein richtiges Labor für dich, oder wie sieht das aus?

Ott: Ich wohne in Mexiko und ich habe mein eigenes Naturstofflabor da. Ich bin Unabhängig, keine Verbindungen mit einer Akademie, ich arbeite nur mit mir selbst.

Martin: Aber du machst Kooperationen mit anderen Forschern zusammen, etwas erarbeiten, ich habe um Beispiel gesehen, Christian Rätsch und du, ein Buch über Kokain und den Cocastrauch.

Ott: Ja, das war eines von den letzten Büchern. Es heisst “Coca und Kokain – Ethnobotanik, Kunst und Chemie” von AT-Verlag in der Schweiz. Im ganzen Werk sind ungefähr 15 oder 20 Spezialisten in diesen Fachgebiet. In Deutschland habe ich besonders mit Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling etwas Feldforschungen gemacht in Südamerika für das Cocabuch. Wir sehen uns auch viel auf Konferenzen.

Martin: Ja cool, dann seid ihr mehrere Wochen in dem Urwald, schaut euch die natürliche, rituelle Verwendung an oder wie kann man sich das vorstellen?

Ott: Ja, es gibt so viele schamanische Rauschpflanzen zu erforschen. Wir kennen nur ein wenig Prozent von diesen Pflanzen. Die wichtigsten sind natürlich etwa die psilocybinhaltigen Pilze, die mescalinhaltigen Kakteenen, auch ist auch sehr bekannt das Ayahuascagebräu aus dem Amazoniangebiet. Aber es gibt viel mehr und es ist besonders wichtig diese Erforschung zu entwickeln in Südamerika.

Ich wohne in Mexiko und es gibt noch verlorene schamanische Pflanzen in Mexiko, und es gibt sehr gute Dokumentation aus der Kolonialzeit. Wir sehen da vielleicht die letzte Generation von Schamanen, wenn seine eigenen Kinder vielleicht später in einem Touristenhotel arbeiten und sie kein Interesse an dieser Technologie haben. Die echten Schamanen sind sehr begeistert wen nsie sehen dass es Interesse von Ausländern gibt. Es ist keine Exploitation, es ist eine Kollaboration mit ihnen; wir bringen auch Samen, andere Pflanzen, manchmal, wie zum Beispiel bei DMT Kristallen… Einmal war ich in Equador mit einen anderen Kollegen aus Kanada, Robert MonGomery, und wir wren zu Fuss auf der Reise in den Regenwald. Nach zwei Tagen in einer kleinen Hütte, schön bei einem Fluss und so weiter. Wir hatten zwei grosse Sachen von Chakrunablätter versammelt im Weg. Die Chakrunablaetter sind DMT-haltige Blätter, sie sind zusätze zum Ayahuascagebräu und da haben wir Ayahuasca gebraut und getrunken. Später haben wir DMT Kristalle an ein paar sehr gute Schamenen vergeben. Das ist in Equador, das liegt im Amazonasgebiet. Sie waren Kitchos sprecher.

Und dann sie haben es geraucht, wie jemand. Sie haben nichts gesagt für 10 oder 15 Minuten. Wir haben gesagt, um besser zu erklären, das es ein Pflanzenextrakt ist, das ist ein Bestandteil von dem Pflanzengott von Psychotria, dass da heisst Amarukapalme oder besser bekannt als Chakruna. Der erste Satz den der Schamane gesprochen hat, nach diesem DMT, war wir haben da zwei Sachen von diesen Blättern, kannst du mir morgen früh mehr Kristalle machen? Sie, die Schamanen sind die Naturstoffchemiker. Sie suchen den Pflanzengeist, also die Alkaloide, dass heisst die Wirkstoffe der Pflanzen – um so wirksamer um so besser.

Martin: Wann hast du angefangen zu Erforschen, was war dein Schlüsselerlebnis, wie bist du dazu gekommen?

Ott: Als ich Student war, das war während des Vietnamkrieges. Ich wohnte in der Strasse. Ich musste ins Gefängnis gehen oder nach Vietnam oder nach Kanada, Schweden. Aber es gab eine andere Möglichkeit, das war in der Strasse zu leben. Und glücklicherweise habe ich LSD bekommen und hatte da schon gelesen 1796, ein Interview von Timothy Leary im Magazin Playboy, ich war sehr begeistert, das zu lesen, dass es mehr gab an der Welt als materielle Dinge.

Nach dem LSD, alles war plötzlich verändert für mich. Vorher dachte ich, ich könnte nicht ueberleben bis 30 Jahren. Es gab keinen Platz für mich in dieser Welt, nur in der Frontlinie, der Krieg. Wenn ich einen Krieg haben müsste, mein Krieg war in Washington, nicht in Hanoi. Und nach dem LSD Erlebnis sah ich dass es nur für diesen Moment war. Ich kann überleben, es gibt einen Platz für mich. Und ich wusste wo das war: Schriftsteller und Naturstofferforscher. Aber natürlich später musste ich auch zur Uni gehen. In den Kriegszeiten konnte ich nicht studieren, ich musste Arbeiten um diese Stelle für mich zu finden.

Martin: Du hast gearbeitet? Was hast du gearbeitet, bist du Student geworden direkt oder hast du noch weitere Jobs gemacht? Bist du gleich in der Szene aktiv gewesen oder hast du erst studiert, Pharmazie oder Chemie?

Ott: Ich war nur in der Staatsuniversität im Staat Washington, ìn der Hauptstdt Olympia, eine sehr gute Uni, heute sehr berühmt ist, aber damals ziehmlich neu. Eine Art von neuer Universität ohne Struktur, es war möglich für mich meine Erfoschung zu erweitern. Als ich meinen Universitätstitel bekommen habe, hatte ich mein erstes Buch geschrieben, meine ersten zwei oder drei Fachartikel veröffentlicht und dann hatte ich auch den kern von meinen Naturstoffgeschäft gemacht. Ich machte besonders Erforschung über den Fliegenpilz und Pantherpilz und die Wirkstoffe zu Isolieren und Pharmakologischerweise zu probieren. Und später gab es viel Markt für diesen Stoff. Mein damaliger Professor hat gesagt ich könnte ein gutes Geschäft machen mit diesen neuroaktiven Pflanzenstoffen oder Pilzstoffen. Ich kam später dazu mein eigenes Labor zu haben und dieses Naturstoffgeschäft zu machen.

Martin: Du hast ein Naturstoffgeschäft. Was kann man bei alles bestellen, bekommen?

Ott: Nein es ist nicht so. Heute bin ich mehr im Buchgeschäft. Ich begann Bücher zu schreiben, meine erste Veröffentlichung war 1976. Und dann kam die Regenzeit. Und der Regen wusch Dunkelheit. Es war noch nicht moeglich, alle die Drogenmagazine waren verschwunden, es gab keine möglichkeit Bücher zu veröffentlichen. Dann musste ich in mein Naturstoffgeschäft. Natürlich lief das chemische Geschäft viel besser als das Buchgeschäft, um Geld zu gewinnen. Dann musste ich Selbstverlag machen. Meine schriftliche Arbeit ist zu radikal für alle Verlage in den USA.
Später ein Freund aus Kanada, Robert Montgomery, 1986 hatte das erste schamanische Pflanzengeschäft per Post gemacht. Das war “Out of the Jungle” und hatte bis 1990 10.000 klienten in der ganzen Welt. Dann war es erst möglich an den Markt zu gehen mit diesen Büchern.

Martin: Ich hörte von Pharmahuasca. Dass du eine Ayahuasca Substanz entwickeln wolltst, die man relativ einfach konsumieren kann? Kannst du uns was dazu erzählen?

Ott: Ja, klar. In diesem Ayahuascaanaloge Buch, das ist eine bestimmte Art von Ayahuasca. Es gibt im Amazonasgebiet etwas Ayahuasca, Yahe.. besser gesagt Ya He. Das ist der Name von einer Liane, Banisteropsis carape . Sie enthält Beta-Karbolin Alkaloide, besonders Harmin. Die sind MAO-Hemmer. Oder sie hemmen ein Enzym, das haben wir im Darm. Im Oxident haben die Leute viel Interesse an der Mischung von diesem einen wässrigen Extrakt eines Ayahuasca Lianenstamm mit zwei Blättern, meistens Psychotria Blätter. Das enthält DMT. Wenn man DMT alleine schluckt, wirkt es nicht bis nach einem Gramm. Aber wenn man 25mg raucht ist das sehr stark. Ein typisches Ayahuascagebräu enthält nur 30mg von DMT. Wie kann das wirken? Tatsächlich, die Theorie war, das kam von dem MAO-hemmenden Effekt von Harmin im Darm. Und dann diese kleine menge von DMT konnte zum Gehirn gelangen. Aber das war niemals probiert. Als ich 1993 Pharacoteon veröffentliche, war mein nächstes Projekt diese Ayahuascapharmakologie in mir selbst zu studieren. So hatte ich die Reinstoffe isoliert in meinem Labor. Ich hatte reine Harminkristalle und reine DMT Kristalle. Ich habe studiert, die nicht so viel vorhandene Literatur, Fachliteratur über die Naturstoffchemie von Ayahuascapflanzen und Gebräue. Ich machte eine Reihe von etwa 15 oder 20 Selbstversuchen. Tatsächlich war so mit 120mg Harmin konnte man 25 oder 30mg DMT Oral wirksam machen. Und das heisst Pharmahuasca, wenn es aus zwei Reinstoffen besteht. Das ist meine eigene neologesis. Dann gibt es Anahuasca, das ist Ayahuasca Analoge, wie der Buchtitel. Und in diesem Fall wissen wir, dass es im Amazonas Gebiet nur eine Reihe von Pflanzen deren Blätter DMT enthalten gibt. Aber in der ganzen Welt gibt es jetzt etwa 90 bekannte Pflanzen mit DMT, und etwa 70 mit MAO-Hemmer. Das heisst es ist möglich Analoge von Ayahuasca herzustellen.

Zum Beispiel mein Kollege aus Italien, Georgius Samorini ht eine italienische Ayahuasca Analoge gemacht mit Hamalasamen, die enthalten 10 mal mehr Beta-Karboline, mehr Karline als Harmin, aber ist wirksamer als die Ayahuascaliane. Die Triptaminquelle aus Italien, das ist Phellaris Gras. Und dann konnte er eine europäische Ayahuasca Analoge machen. Meine Idee mit diesem Buc hwar, diese Technologie an die Leute zu bringen, so konnte man ein eigenes Haus mit der Technologie machen, nur einen Tee machen, einen Ayahuasca Analog machen mit legalen Kräutern von der Umgebung. Und das heisst Anahuasca. Und wir hatten die Idee ein kommerzielles Produkt zu machen in Holland. Das war 1998. In diesem Fall waren es Tabeletten mit 60mg von Harmin, das noch nicht legal ist. Das DMT war nicht legal. Aber der Ersatz 10mg Tabletten 5met-DMT. Ich weiss nicht wie es heute ist, aber damal war es Legal in Holland und auch in der Europäischen Union, das war natürlich vor der Eurozone.

Und so hatten wir eine Testmenge von etwa 1000 Tablette Pharmahuasca und in diesem Fall musste man nur 1 oder 2 Harmalin Tabletten schlucken mit 1,2,3,4 von den 5met-DMT Pillen. 5met-DMT ist etwa 4 oder 5 mal stäker als DMT aber sehr ähnlich in seiner Wirkung. Dann war es schade, es gab Probleme mit den Bullen bei einem meiner Kollegen von einem Mitarbeiter meines Projektes. Meine Mitarbeiterin, sie war 2 Jahre die Fluglinie in Mexiko. Und dann konnten alle Projekte nicht wirklichkeit werden. Später habe ich dieses Schnupfbuch gemacht. Ich fand dass diese Triptamine besser wirksam sind ohne Beta-Karboline oder Harmine in der Nase. Die reste der 5met-DMT Tabletten wurden später Pharmapene genannt und wurden meist geschnupft.

Martin: Du warst auch an der Entwicklung des Begriffs “Entheogene” beteiligt. Es würde uns interessieren, wie bist du darauf gekommen. Wie diese Wortzusammenstellung?

Ott: Mein erster und größtes Vorbild ist Gordon Wasson, ein Banker aus Montana und später New York. Er war der erste Erforscher von diesen psilocybin Pilzen im Oxident. 1953 hat er seine
Forschungen in Mittelamerika begonnen. In New-Mexiko, Mohawka, nur 150km von meinem Haus. Später im Sommer, 29. Juni 1955, hat er das Glück gehabt, Maria Sabrina kennenzulernen.
Maria Sabrina ist jetzt sehr berühmt auf der ganzen Welt. Sie hat ihm diese Pilze gegeben und er hat später mit Albert Hofman udn einem bekannten französischen Mykologen Roge Klem 158 das Psilocybin aus diesen Pilzen isoliert. Als ich begann mit Wasson zu Arbeiten und zu Studieren haben wir viel über die Termini für diese Drogen gesprochen. Zu dieser Zeit sprach man nur von halluzinogenen Pflanzen. Aberr Halluzinogen meint eine falsche Wahrnehmung. Und schlimmer, das ist eine Pathologie in der Psychotherapie. Eine Halluzination ist eine Pathologische Erscheinung und Symptome für einen Psychiater. Wir wollten ein Wort um schmanische Rauschmittel zu sagen, dies war die echte Idee. Denn alle schamanischen Substanzrauchmittel bestehen aus allen Arten chemischer Substanzen. Sie haben viel pharmakologische Aktivitäten und es gab kein wissenschaftliches oder chemisches oder pharmakologisches Wort das umfassend ist für all diese Stoffe. Wir waren Wasson, Rock und ich und ein weiterer Kollege Jimmy Bigwood. Dann 1979 haben wir einen kleinen Artikel, zwei Seiten nur, veröffentlicht im Journal of psychodelic drugs, heute heisst es Journal ob psychoactive Drugs, und der hiess “Entheogene”. Dieses Wort kommt aus der griechischen Sprache. Es heisst “was bekommt heilig drinnen” und das ist die echte bedeutung von Entheogenen. In der Fachliteratur, in der Schulmedizinliteratur, gebraucht man nur psychedelisch. Ich gebrauche dieses Wort für psychedelische Therapie, psychedelische Kunst, psychedelische Musik und so weiter – aber das meint etwas aus den 60er Jahren. aber man kann nicht von psychedelischen schamanistischen Pflanzen, denn das ist ein modernes Wort. Es hat viele Verbindungen mit moderner Populärkunst. Und so spricht man in der anthropoligschen Literatur, der Fachliteratur, von Entheogenen. In der spanischen Welt ist es umfassend. In der englischen Welt – ich weiss nicht genau, in der deutschen ist es halb-halb. Man gebraucht dieses Wort oder Halluzinogen. Aber meistens nicht psychedelisch. Halluzinogene überlebt auch, aber nur noch bei den Chemikern, sie sprechen immernoch von halluzinogenen Stoffen. Die ersten über psychedelische und die Ethnobotaniker über entheogene Stoffe. Das hat viel Erfurcht erbracht aber es ist schade, dass die Leute denken das ist synonym mit Halluzinogen oder Psychedelisch. Cocablätter zum Beispiel ist das berühmteste und wichtigste Entheogen in Südamerika. Aber die Leute in Europa oder USA denken, dass es ein Halluzinogen wie Psilopilze oder Ayahuasca oder Mescalin und ist ein Rauschgift. Aber es ist nicht ein psychedelischer Stoff und es ist kein halluzinogener Stoff, es ist ein klassisches Erregungsmittel. Aber das ist auch ein Entheogen. Gleich so wie Salvia Divinorum, das ist ein Blatt aus Mexiko, es ist stark visionär, aber das hat nichts zu tun mit der Wirkung von LSD, Psilocybin, Mescalin. Auch der Fliegenpilz ist etwas seltsames in der Pharmakologie, Ibotensäure und Muscimol, aber es ist auch ein schamanisches Rauschmittel. Denn Entheogen ist nicht synonymisch, das ist über den Kontext – nicht über die Pharmakologie oder chemische Struktur, nur den Kontext von dem Gebrauch.

Martin: Es ist eine durchaus ältere Sache, dass die Schamanen die Stoffe beziehungsweise die Pflanzen schon kannten?

Ott: Der Kontext ist, schmanische Rauschmittel kann auch sein ohne Schamanismus. Das meint etwas, dass ist aus dem Gebiet der schamanischen Praxis. Normalerweise benutzen die Schamanen diese Stoffe für Divination. Die Divination kann mit Heilung oder Jagdmagie zu tun haben, sie sind auch Detektive, sie gebrauchen die Stoffe um Informationen zu bekommen. Und das ist der Schlüssel an Entheogen, die Informationen von der Umwelt zu erhalten. Über die Gründe einer Krankheit, etwas verlorenes, eine verlorene Person, einen verlorenen Geist zu finden und so weiter. Oder es kann ein verlorener Esel sein, etwa so. Wenn man im Oxident die Stoffe gebraucht, um Informationen zu bekommen über sein eigenes Leben, über sein eigenen Verhältnisse mit anderen Leuten ist das auch ein entheogener Gebrauch.

Martin: Kommen wir nochmal zu Ayahuascaanalogen. Zum Beispiel wurde hier probiert mit europäischen Pflanzen ein Ayahuascaanalog herzustellen, das heisst es gibt auf der ganzen Welt vergleichbare Substanz- gebräuche, -gemische, -anwendungen vielleicht sogar. Wie sieht es aus mit Zusatzstoffen, wurde schonmal, beziehungsweise im rituellen oder schamanischen Gebrauch Pilze zugesetzt, Muttern zugesetzt, solche Sachen?

Ott: Wie ich bemerkt habe, gibt es etwa 80 oder 90 Pflanzen mit Triptamine, es gibt auch fast soviele Pflanzen mit Beta-Karbolinen wie Harmalinen und dann gibt es etwa 7000 mögliche Kombinationen zwischen zwei Pflanzen. Das können ein Oral wirksames Triptamin sein und Erfahrungen bringen. Man muss auch wissen das im Amazonasgebiet die zusätze in dem Gebräu – Ayahuasca ist ein name für die Liane und auch für das Gebräu. Das ist in Kitchi-Sprache, in Columbien ist es Kahape oder Yahe. Ayahuasca ist ein Kolonialzeitwort aus dem 17. Jahrhundert . Zum Beispiel gebracuht man da auch zwei Kakteenenarten, die sind noch nicht erforscht, aber möglicherweise enthalten sie Mescalin, die Zusätze. Wir wissen das durch selbstversuche, das war von Jochen Gartz in Leipzig, dass das Harmin in Ayahuasca die Wirkung von Mescalin verstärkt. Man braucht auch Tabakblätter in Ayahuasca, auch Koffein, auch Cocablätter und Engelstrompete, die Blüten und andere Pflanzenteile. Im Oxident hört man meist nur von Zusatz von psilocybinhaltigen Pilzen. Aber wir haben keinen Beweis dafür im Amazonas. Natürlich, die Psilopilze hochaktiv ohne Zusatz. Aber ich mache das nicht, diese Kombinatin zwischen Beta-Karbolinen und Psilocybin. Ich nehme mehr Pilze wenn ich einen stärkeren Effekt haben will. Die Wirkung von Harmin und andere Beta-Karboline, zuerst sollte ich sagen, man kann auch schulmedizinische MAO-Hemmer nutzen für einen stärkeren Effekt – ich habe das Probiert, das funktioniert auch – aber der Ayahuascaeffekt ist im Darm und man braucht soviel MAO-Hemmer damit es auch im Gehirn ankommt. Und es hat einen valium- oder diazeparmähnlichen Effekt. Und das geht gegen die Triptamine. Wenn man Ayahuasca nimmt oder einen Extrakt mit Pilzen dann verstärkt das den Psiloeffekt Und das kommt aus dem Darm ins Blut. Aber dann gibt es eine Hemmung des Ayahuascaeffekts. Die Wirkung von Beta-Karboline gefällt mir nicht. Wenn ich Pilze verstärken will, nehm ich ein paar Gramm Pilze.

Martin: Mal zu den Pilzen. Du warst mit Gordon Wasson unterwegs. Ihr wart in den Wäldern und habt Forschung betrieben, was kannst du uns dazu sagen?

Ott: Ich war nur einmal zu Feldforschung mit Wasson in Mexiko, da war er sehr alt. Als ich Student war, meine grosse Aktiviät war, ich dachte – oh es gibt ein Problem in Mexiko, denn alle die Leute gehen nur dahin für Drogentourismus. Das passiert heute da mit Peyote in Mexiko und Ayahuasca in Peru. Es ist ok wenn es in der Touristenzone passiert. Aber es ist nicht ok, wenn es inder ländlichen Indianerwelt passiert. Die Ausländer bringen Krankheiten, alle Arten von Problemen. Der Kontakt mit der Aussenwelt geht gegen das überleben von Schamismus. Ich dachte, ah wir wissen dass es viele psyilocybin Pilze gibt auf der ganzen Welt, wir müssen diese Information veröffentlichen, mit Farbfotos, mit Identifikationsinformationen und auch den Pilzesuchtechnologien. Das war in zwei Jahren von 1976 bis 1978. 1978 waren drei Bücher erschienen. Eines von mir, eines von den McKenna Brüdern und ein paar andere. Diese hatten alle diese Technologie. Schöne Farbfotos von den psyilocybin Pilzen aus den USA. Später kamen sie in Europa und anderen Ländern.
Das war gut, da heutzutage nur wenige Leute Drogentourismus machen für Pilze und das war auch meine Idee mit dem Ayahuascaanaloge Buch. Informationen gegen den Ayahuasca Tourismus zu verbreiten.

Die Leute könnten zuhause ihr eigenes Ayahuasca machen, sie müssten nicht nach Mexiko oder Südamerika reisen um diese Erfahrung zu suchen. Heute gibt es auch viele weisse Schamanen. Das sind Leute aus USA oder den europäischen Ländern, vielleicht auch anderen Ländern. Das sind Ersatzschamanen. Sie haben Ayahuascaanaloge oder echtes Ayahuasca aus Amazonien. Ich finde das sehr gut. Sie können ein Labor in der Küche haben oder ein bischen Geld bezahlen und ein gutes Ayahuascaerlebnis haben. Aber es gefällt mir nicht wenn die Leute sagen sie sind Schamanen. Denn Schamanismus überlebt nur in der präliterären Welt. Wenn es geschrieben wird, ist alles verändert. Somit können moderne Leute keine Schamanen sein. Schmanen sind sehr verschieden zur modernen Welt. Die Schamanen sind sehr arm, sehr ehrlich. Sein Beruf ist sehr gefährlich.

Martin: Wenn du davon spricht, dass du auch im Regenwald warst und die schamanische Seite gesehen hast, wie ist dein eindruck von den Ritualen da, was ist dein eindruck von den Ritualen hier? Es ist auch hier am aufleben, eine gewisse Esoterikszene ist sich am bilden. Was ist deine Eindruck dazu?

Ott: Viele Leute gehen zum Drogentourismus, wenn sie meinen sie müssen ein schamanisches Erlebnis haen mit Schamanen. Und das ist gut. Aber es ist besser die Schamanen kommen her, das passiert auch. Aber es hat keinen Sinn die Rituale mit Federn und Klatschen von den Leuten dort zu kopieren. Denn ein Ritual ist nur Sinnig, wenn es von der eigenen Kultur kommt. Es muss selbstverständlich sein für alle Leute die teilnehmen an dieser Erfahrung. Es ist genauso wenn sie in die Indianerwelt im 16. Jahrhundert gehen und sprechen in Spanisch oder Latein und machen ein Ritual, und die Leute verstehen es einfach nicht. Und das ist genau das gleiche wenn sie eine Imitation machen, eine Kopie von einem schamanischen Ritual hier in Europa machen, die Leute verstehen es nicht. Aber es gibt jetzt Literatur über diesen Fall….

Wir danken Jonathan Ott für seine Zeit und das Interview!

Weitere Informationen über Jonathan Ott auf Erowid: Jonathan Ott Vault sowie das Video mit dem Interview auf den Webseiten von PSI-TV.

Das ganze als Video: Pharmacognosis – Interview mit Jonathan Ott auf der Buchmesse Frankfurt 2005 auf Archive.org.

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